Kultur und Kirchen

Pommernflagge

 von etwa 1280 bis etwa 1440

 von 1406 bis etwa 1800

 von etwa 1800 bis 1938

 von 1938 bis 1945

 

 

Marktplatz Köslin
Kösliner Marktplatz bis 1945:
Denkmal des preußischen Königs Friedrich Wilhelm I., das Rathaus und die Marienkirche

 

Obwohl seit 1816 Sitz der Bezirksregierung (zunächst „Königliche Landesregierung“) wurde in Köslin erst von 1937 bis 1939 ein neues, repräsentatives Regierungsgebäude errichtet.

Bis dahin war die Behörde in zehn verschiedenen Häusern der Stadt untergebracht.

Dazu gehörte auch das alte Regierungsgebäude in der Regierungsstraße am Kleinen Wall, das noch heute äußerlich unverändert (aber stark renovierungsbedürftig) steht. Der auch für gegenwärtige Auffassungen moderne Neubau der Bezirksregierung in der Poststraße mit seinen dreihundert Meter langen Korridoren ist bis heute sehr beeindruckend. Er wurde nach der Vertreibung der deutschen Bevölkerung einige Jahrzehnte lang Sitz der polnischen Wojewodschaftsverwaltung.

Am 1. Januar 1850 nahm die Oberpostdirektion Köslin ihre Arbeit auf. 1871 erhielt sie den Zusatz „Kaiserliche“, und 1934 wurde sie in Reichspostdirektion umbenannt. Nach verschiedenen Provisorien konnte 1884 der imponierende Neubau fertiggestellt werden, den heute noch die polnische Post nutzt.

 

Außen und innen unverändert ist das Gebäude des Land- und Amtsgerichts in der Lindenstraße zwischen Elisenstraße und Am Ziegelgraben. Es ist ein bis heute modern wirkender Bau, obwohl die offizielle Übergabe bereits am 1. November 1931 erfolgte. Gegenwärtig dient es den Polen als Bezirksgericht.

 

1776 gründete Friedrich II., der Große genannt, im westpreußischen Culm eine Kadettenschule. Diese wurde 1890 nach Köslin verlegt.
Die Stadtverwaltung hatte dafür ein Gelände am Westrand des Gollen in der Danziger Straße zur Verfügung gestellt. Das dort in neugotischem Stil errichtete Gebäude beherbergte zunächst die preußische Kadettenanstalt, die 1920 in Staatliche Bildungsanstalt (Stabila) und 1933 in Nationalpolitische Erziehungsanstalt (NPEA) umbenannt wurde. Seit dem Ende des Kommunismus ist darin eine Einheit des polnischen Grenzschutzes untergebracht.

 

Backsteinkirchen prägten bis 1945 die Städte im deutschen Osten. In Köslin war es über 600 Jahre die gotische Pfarrkirche Sankt Marien südwestlich des mit vier Morgen damals zweitgrößten deutschen Marktplatzes. Ihr Turm ist 57 Meter hoch. Erstmalig wurde sie 1331 urkundlich erwähnt; ihr Bau soll jedoch zwischen 1292 und 1310 begonnen worden sein. Seit 1945, als bis auf wenige Ausnahmen alle Gebäude am Markt und in den angrenzenden Straßen eingeäschert wurden, steht die Nordseite der Marienkirche, die jetzt Kathedrale des katholischen Bischofs ist, frei.

 

Das älteste Gotteshaus ist die Schloßkirche, die 1278 als Klosterkirche des Zisterzienser-Ordens erbaut wurde. Lange vor Beginn der Reformation zu Anfang des 16. Jahrhunderts verfielen das Nonnenkloster und seine Kirche. Doch nach dem Bau des Fürstenschlosses 1602 hat man sie wieder hergerichtet. In den folgenden 400 Jahren hat Feuer sie zerstört, entweihten französische Besatzungstruppen sie, aber immer wurde sie wieder aufgebaut und neu geweiht. 1998 konnte die Schloßkirche durch finanzielle Hilfe der deutschen Bundesregierung erneut renoviert werden und dient jetzt der orthodoxen Gemeinde Köslins und Umgebung.

 

Auf dem Gollen entstand 1279 eine Bergkapelle. Ihr Turm soll einst jede Nacht beleuchtet gewesen sein, um dadurch den Seefahrern auf der Ostsee Navigationshilfe zu geben. Sie wurde während der Reformation 1533 ein Opfer der Flammen.
Im Jahre 1829 wurde an gleicher Stelle das Gollenkreuz errichtet. Dieses Denkmal, auf einen Entwurf Friedrich Schinkels zurückgehend, diente dem Gedenken der in den Befreiungskriegen 1813 - 1815 gefallenen Söhne Pommerns. Es war ein 42 1/2 Fuß hohes, auf einem Feldsteinfundament ruhendes Kreuz. Um 1980 wurde es polnischerseits entfernt.
Anläßlich des Besuchs von Papst Johannes Paul II. errichtete die polnische katholische Kirche 1991 wieder eine Wallfahrtskapelle auf dem Gollen, in der Nonnen vom Schönstädter Institut der Marienschwestern wirken.

 

In ihrer äußerlich ursprünglichen Gestalt ist die Gertraudenkapelle an der Bublitzer Straße erhalten geblieben. 1459 erstmals urkundlich erwähnt, erlitt sie mehrfach Zweckentfremdungen, wurde aber auch wiederholt renoviert. Bis 1945 war sie die Kirche der evangelisch - altlutherischen Gemeinde Köslins. Später unter anderem als Abstellraum mißbraucht, wurde sie im Mai 2000 der evangelischen Gemeinde zurückgegeben.

Damit endete nach 55 Jahren ein Provisorium der Gottesdienste der durch die Vertreibung in Köslin und Umgebung zur Minderheit gewordenen evangelischen Deutschen.